Vor nun mehr 20 Jahren began ich als absoluter Bewegungsmuffel, angespornt durch meinen damals 65 jährigen Schwiegervater, der alljährlich sämtliche
Ultras in Deutschland und den Nachbarländern absolvierte, mich für einen Marathon vorzubereiten. Diesen beendete ich in 4:11h, glücklich aber doch ziemlich lädiert und hatte mir vorgenommen,
nie mehr einen Lauf zu bestreiten.
Wie konsequent ich gewesen bin, bezeugen mir meine Sammelordner, in denen ich meine Urkunden aufbewahre. Ist daraus eine Sucht geworden, eine Abhängigkeit, ein regelrechtes Muß in unserer
leistungsorientierten Gesellschaft.
Die Frage kann man als Sportler selbst schwer beantworten, da man nicht objektiv genug an die Sache herantritt. Wenn ich meine Familie und mein näheres Umfeld befrage, bestätigen sie mir ein
absolutes Verlangen nach Bewegung, eine immer bestehende Unruhe, ein Gefühl, irgendetwas zu verpassen, wenn ich meine täglichen Trainingseinheiten vernachlässige.
Ich muß ihren Einschätzungen zustimmen, auch wenn mir die Wortwahl Sucht etwas zu negativ bekleidet ist. Es ist vielmehr das unbändige Verlangen, meinen Körper zu spüren, meinen Geist
wahrzunehmen, meine Erinnerungen wach zu rufen und mich in Einklang mit der Natur zu bringen.
Dies geling mir am besten bei meinen sportlichen Aktivitäten, zuerst nur läuferisch und seit einem Jahr im Triathlonbereich. Dies ist und bleibt für mich die einfachste und effektivste
Art, meinen psychischen Belastungen, die mein berufliches Umfeld als leitender Krankenpfleger mit sich bringt, einen Ausgleich gegenüber zu stellen, Kraft zu tanken und die Seele
zu reiningen.
Ob ich gesünder lebe oder meinem Leben durch meine täglichen Trainingseinheiten eine zusätzliche Belastung zumute, kann ich nicht beantworten. Ich weiß aber, daß ich mir ein Leben ohne
meinen Sport nicht mehr vorstellen kann, es ist auf eine ganz persönliche Art wertvoller und einzigartiger geworden. Alle Menschen, die ich durch meine Lebensphilosophie angespornt habe,
diese Art der Bewegung zu versuchen, waren mir bisher sehr dankbar, konnten sie doch in kurzer Zeit das von mir oben beschriebene Glücksgefühl erleben und verinnerlichen.
Allen ein schönes Pfingstfest und das jeder durch seine Möglichkeiten sein Glücksgefühl erlangt.

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