Diese Woche sollte ich die rote Woche nennen. Bisher war ich jeden Tag im roten Bereich, so auch heute. Aus unserer geplanten Abfahrtszeit um 7:30 Uhr wurde
nichts, da es schon mal wieder zu regnen anfing. Somit wurde unser Termin einfach für zwei Stunden nach hinten verschoben und um 9:30 Uhr ging es bei, sagen wir einmal lockerer Bewölkung,
auf die Rennstrecke.
Die ersten 10km lockeres Pedalieren, wäre nicht da schon die Vorbelastung der gesamten Woche, und dann der Start für 4x30min WSA (Wettkampfspezifische Ausdauer) mit jeweils 15min lockeres
Fahren.
Gleich vorneweg, heute konnte ich fast nur am Hinterrad von Marco bleiben, und das war schon hart genug. Die ersten beiden Abschnitte war Wind von vorne, so daß unser Tempo von 37km/h sehr
schwer zu halten war. Marco muß heute sehr gut gefrühstückt haben, denn er konnte dieses Tempo scheinbar mühelos halten. Kirchzell war in 1:30h erreicht und wir wendeten nach
der Schlußsteigung.
Ab jetzt lag bei Marco die Kette fast nur noch auf dem zweitkleinsten Ritzel oder ganz rechts und ich hatte Mühe, in den Hochgeschwindigkeitsabschnitten den
Anschluß zu halten. Beim dritten WSA Abschnitt hatte ich nach den ersten 10min das Gefühl für meinen Körper gänzlich verloren. Wir fuhren uns regelrecht in
einen Geschwindigkeitsrausch und unser Tacho zeigte fast nur noch über 40km/h.
Nachdem auch dieser Teil unseres Tranings hinter mir lag, gewann ich allmählich die Erkenntnis, daß ich auch diesen Tag überleben würde können. Zwischendurch überlegte ich mir einen
Titel für meinen heutigen Bericht wie, "Der Prinz und sein Prügelknabe", und titulierte meinen Partner mittlerweile als Mörder, aber wie beliebt es Paul immer so schön auszudrücken, "da bin ich
komplett schmerzfrei". So wie mir scheint ist Marco zur Zeit bei allen drei Disziplinen komplett schmerzfrei.
Den letzten WSA Abschnitt, wie soll ich sagen, wurde lediglich durch die Fußgängerzone von Obernburg etwas erträglicher, der Rest war wie wenn du deine Periode hast und dein Tampon auf
der Frisierablage liegengeblieben ist. Heute nicht auf dem Flurbereinigungsweg zurück sondern auf der Bundesstraße, forderte mich jede Kreiseldurchfahrt immense Willenskraft, den
Anschluß wieder herzustellen. Endspurt bis zum http://www.mainausdauershop.de/ und meine letzten Blutkörperchen gaben den Geist auf und
quittierten ihren Dienst.
Ich weiß nicht wo der Mann heute seine Power bezogen hat, aber eines ist sicher, Lanzarote muß viel Puste haben, daß Marco in Schwierigkeiten grät. Marco lief danach noch
20km im Tempo von 4:00min/km, der reinste Wahnsinn und ich schwamm um 18:00 Uhr 2200m im Hösbacher Hallenbad, mit Marcel, der nach seiner Eröffnung der Freibadsaison um neue Neos zu testen, sich
anscheinend noch etwas aufwärmen mußte.
Nach 800m waren meine Glykogenreserven restlos leergefegt und ich trudelte müde aber doch irgenwie zufrieden die letzten 1400m im grünen Bereich und freute mich auf einen trainingsfreien
Abend.
Keep on hoping.
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