In dem Wort Leidenschaft stecken, für jeden erkennbar, die beiden Wörter "Leiden" und "schaft". Nachdem ich die rote Woche so einigermaßen
überlebt habe, hatte ich gedacht es könnte nicht noch schlimmer kommen, weit gefehlt.
Heute morgen gings erst einmal um 7:00 Uhr nach Kleinostheim zum bekannten Frühschwimmen. Nach den ersten Bahnen spürte ich zum wiederholten male, daß nach
einem langen harten Lauf am Vortag, die Ärme ganz besonders schmerzen. Ich hatte nach jedem 100m Abschnitt das Gefühl, mir würde einer mit einem Tranchiermesser die Arme aus dem Oberkörper
herausschälen.
Marcos Kommentar hierzu war lediglich, "das hört nach 5000m auf". Na toll, was sollte ich machen , wenn ich nur 3000m schwimmen wollte.
Doch nach 1500m ließ der Schmerz wirklich nach und ich konnte endlich auch etwas entspannter schwimmen. Bis nach etwa 2400m mein Zuckerspiegel auf den
Beckengrund absackte und ich wie eine blinde Hochseeboje zum Beckenrand taumelte. Jetzt galt es erst einmal meinen Hungerast zu überwinden. Schwer genug wenn einem nur Chlorwasser, verbrauchte
Hallenluft und Halluzinazionen zur Verügung stehen.
Nach ca. 600m war aber auch diese schwere Stunde überstanden und ich konnte teilweise einige schnelle Abschnitte mit Marco wenigstens für ein paar Sekunden annähernd mitschwimmen um dann in
seinem Abgasstrahl ins strudeln zu geraten.
So kamen bei mir immerhin 3500m zusammen und Marcos These hat seine Richtigkeit, denn ich hatte am Ende meines Trainings die beste Wasserlage und das beste Körpergefühl.
Nachdem wir unsere Geschäfte erledigt hatten, trafen Paul und ich uns bei Marco um 11:00 Uhr um gemeinsam eine 4h Radeinheit zu bewältigen. Da mein Computer vor einer Woche neu formatiert
werden mußte, hatte ich keinerlei Informationen über unsere heutige Trainingseinheit. Mir war nur bekannt, daß Marco eine Radbelastungswoche vorhatte und morgen eine 6h Einheit geplant war. So
hoffte ich heute auf eine Zwischenetappe mit leichter Ausbelastung zumal der gestrige Lauf irgendwie immer noch in den Beinen steckte.
Schon beim hochfahren nach Haibach war an den Fahnen unschwer zu erkennen, daß uns die Wetterlage keine Pause in Sachen Windverhältnisse gönnte, wenigsten kein Regen und eine saubere
Fahrbahn, kein Bock jedesmal im Keller zu stehen und den Sand aus dem Getriebe zu putzen.
Oben angekommen gabs den obligatorischen Smalltalk, meine Einschätzung, daß der Triaeinteiler von Paul viel zu eng ist und die geliehene Windjacke von Marco überhaupt nicht dazu passte, ein
optisches Fiasko, und schon ging die Hatz los in den bergigen Spessart.
Den Anstieg hoch nach Mespelbrunn sind wir bisher noch nie so hart angefahren wie heute. Selten ging die Geschwindigkeit unter 24km/h und somit hatte ich schon hier, ganz am Anfang unserer
Ausfahrt, Schwierigkeiten, das Tempo mitzugehen und mußte die letzten 200m vor der Kuppe etwas reißen lassen. Voller Elan ging es jetzt abwärts, vermutete ich doch, daß wir rechts weg durch
Mespelbrunn rollen würden, die Betonung liegt auf rollen, um die Eschaurunde in Angriff zu nehmen.
Doch Schreck, ja ganz seinem Namen alle Ehre machend, fuhren wir gerade aus in die nächste Steigung nach Echterspfahl hoch in Richtung Weibersbrunn. Hier mußte ich erst einmal mein
eigenes Tempo finden und fuhr mit gleichbleibendem Abstand von ca. 100m regelrecht hinterher. Dann kamen so schöne Stationen wie Lichtenau, Rechtenbach, Neuhütten, Wiesthal,
Frammers-bach, Lohrhaupten, Pfaffenhausen, Jossgrund, Lettgengrund, Flörsbach, Wiesen, Kleinkahl, usw. also rauf und runter und rauf und runter und ra.... .
Hand aufs Herz, ich hatte bei jedem Anstieg sofort Beton in den Oberschenkeln, mußte knautschen ohne Ende und war permanent im roten Bereich und das über fast 4h. Bergauf konnte ich das große
Blatt nur im Wiegetritt fahren, mit dem kleinen Blatt hatte ich Mühe, das Tempo meiner Begleiter mitzugehen. So wurde ich zusehends mürber, der Wind tat sein übriges und Paul und Marco hatten
heute eine gute Performance ganz so wie es sein sollte kurz vor einem wichtigen Wettkampf.
An der Kreuzung zum "Engländer" fuhren Paul und Marco über Heigenbrücken nach Haibach zurück und ich fuhr, wenn man diese Art der Fortbewegung noch so nennen konnte, über Sailauf auf
dem direktesten Wege nach Hause.
Rad ab in den Keller ohne die gewohnte Kurzwäsche und rauf aufs Sofa um die wunden Knochen zu regenerieren. Schön wars trotzdem und wer ein Ironman werden will, der muß auch von den Toten
auferstehen können, getreu dem Motto "Keep going in".
Gestorben bin ich heute mindestens fünf mal, aber ich bin mindestens sechs mal wieder aufgestanden, wahre Leidenschaft. See you tomorrow.
Keep on sleeping.
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